
Weitnau hat genug Wasser
Auf der Bürgerversammlung zieht der Bürgermeister eine positive Jahresbilanz
Weitnau/Wengen – Mehr als 70 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung in die Dorfhalle Wengen gefolgt. Nach beruhigenden Zahlen zu Verschuldung („Heuer keine Kreditaufnahme nötig!“ so Bürgermeister Florian Schmid) und Steuereinnahmen („Die Gewerbesteuer steigt seit Jahren konstant an!“) kam Schmid auf das Thema des Dürre-Jahres 2026 zu sprechen: die Trinkwasserversorgung. Im Gegensatz zu manchen Nachbarkommunen konnte er für die Marktgemeinde Weitnau und ihre Teilorte Entwarnung geben. „Wir haben nach wie vor eine gute und sichere Versorgung“, so Schmid, „unser Wasser kommt aus zwei 28 Meter tiefen Brunnen bei Seltmans, die eine gute Schüttung aufweisen. Das passt!“ Trotz des extrem trockenen Sommers gab es nie Engpässe, auch die wegen der Topografie nicht einfache Versorgung höher gelegener Dörfer wie Rechtis oder Hellengerst stelle kein Problem dar. „Wir profitieren dabei von einem stabilen weiträumigen Leitungsnetz, das unsere Vorgänger vorausschauend angelegt haben.“ Nichtsdestotrotz werde Weitnau bei der laufenden Sanierung seiner Wasserinfrastruktur nicht nachlassen, als nächstes steht der Wasserhochbehälter für den Ortsteil Wengen an. „Das muss gemacht werden, auch wenn es ein paar Hunderttausend Euro kostet“, betonte Florian Schmid.
Geld kostete auch die Verbesserung des Sturzflut-Risiko-Managements, mit dem vor allem Überflutungen im Teilort Kleinweiler vermieden werden sollen. Verstärkte Dämme und leistungsfähigere Kanäle gehören dazu, aber auch der Appell an die Einwohner, selbst für ihren Schutz vor Hochwasser zu sorgen: „Keine Kommune der Welt kann ihre Einwohner total vor allem schützen, das geht einfach nicht.“ Ums Wasser geht’s auch beim – Zitat Schmid – „Dauerbrenner Freibad Seltmans“. Das seinem Eindruck nach „alte, aber durchaus charmante Bad“ leckte immer wieder, der kommunale Zuschuss für den Betrieb versickerte also teilweise buchstäblich im Nirgendwo. Doch nun ist das Leck gefunden und dank der fachlichen Unterstützung des gemeindlichen Wasserwerks repariert. Nach einer wohl hitzebedingten Top-Saison heißt es für 2027: „Wir machen weiter mit dem Freibad!“ Eine Perspektive, die im gut besetzten Dorfsaal lebhaften Beifall auslöste.
Beim vor Jahresfrist heiß diskutierten Thema „Asylbewerber-Unterkunft im ehemaligen Dorfgasthof Engel“ haben sich die Gemüter offenbar beruhigt. „Aktuell gibt’s nix Neues, aber wir bleiben in Habacht-Stellung“, stellte der Bürgermeister fest. Er baut darauf, dass mit einem Bebauungsplan für die Ortsmitte Wengen das Thema vom Tisch ist. Weniger entspannt zeigt sich das Gemeindeoberhaupt in punkto Erneuerung Dorfmitte Weitnau. „Dort hatten wir bereits die Förderung der Regierung von Schwaben in Aussicht, doch die ist kurzfristig zurückgezogen worden. Das ist nicht in Ordnung!“ ereiferte sich Schmid, „so geht’s nicht!“ Neue Läden, ein Café, Wohnungen – alles hängt jetzt in der Warteschleife. Wenig erfreulich ist auch das Scheitern der geplanten Nahwärmeversorgung für Kleinweiler und angrenzende Siedlungen in Württemberg: „Leider haben sich zu wenig Bürger für die notwendige Genossenschaft gefunden, jetzt muss sich jeder selbst um seine künftige Wärmeversorgung kümmern. Schade.“
Doch Schmid konnte noch einige Positiva auf der Habenseite vermelden. Vom wachsenden Tourismus – „vielleicht knacken wir heuer erstmals die Marke von 60.000 Gästeübernachtungen!“ – über den Boom des Weitnauer Bike-Parks und die bevorstehende Reprädikatisierung als Luftkurort bis zum großflächigen Breitbandausbau: „Es tut sich was in Weitnau!“ stellte er stolz fest und mahnte die Geldgeber in Land und Bund: „Gebt den Gemeinden mehr Geld, dann machen wir auch was draus!“
Text und Fotos Lutz Bäucker